JENSEITS DER VORSTELLUNGSKRAFT:
DIE VERGESSENEN MENSCHEN IM HIMALAYA

Karnali ist das am wenigsten entwickelte Bundesland Nepals, es liegt am Rande des Himalayas und grenzt an Tibet. Unsere Projektdörfer liegen im Distrikt Mugu, eines der ärmsten Gebiete dieser Welt. 55.000 Menschen leben in der 3.500 km² großen Bergregion. Sie sind abgeschnitten von jeglicher Zivilisation, keine Straße führt in oder aus diesem Gebiet, es ist nicht an den Rest von Nepal angebunden. Die Lebensbedingungen sind mittelalterlich, die Zeit scheint stehengeblieben zu sein und die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei nur 44 Jahren. Es gibt weder genug Kleidung und Schuhe noch Strom sowie keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Vielen Menschen droht der Hungertod, denn die extreme Höhenlage erlaubt nur drei Monate im Jahr den Anbau von Nahrung – bei weitem nicht ausreichend, um den Bedarf zu stillen. Die Folge: Kinder wie Erwachsene leiden unter starker Unterernährung, was zu einer deutlichen Verringerung der Lebenserwartung führt. 

Die medizinische Versorgung gehört zu den schlechtesten der Welt: Ein einziges Krankenhaus in Gamgadhi ist für mehr als 55.000 Menschen zuständig. Da aber oft weder Medikamente noch Ärzte verfügbar sind, bedeuten selbst leicht heilbare Krankheiten für viele schon den Tod.

Doch nicht genug: Insgesamt 75% Analphabetentum sorgt für einen extrem niedrigen Bildungsstand. Mit dem Resultat, dass der Zusammenhang zwischen mangelnder Hygiene und tödlich verlaufenden Krankheiten meist nicht bekannt ist.

Leben mit nichts

Der harte Kampf ums Überleben, die tägliche bittere Armut sind das Los dieser Menschen. Es gibt nichts, was ihr Leben einfacher, erträglicher oder hoffnungsvoller gestalten könnte. Ihre Besitztümer sind spärlich, beschränkt auf das Nötigste und das ist meist alt, zerschlissen oder verbeult. Winters wie sommers besitzen die Menschen nur ein Set an Kleidung, die meisten haben auch keine Schuhe, im Winter jedoch liegt der Schnee monatelang hoch und es ist bitterkalt.

Die Werkzeuge, die sie zum Arbeiten gebrauchen, sind zum größten Teil selbst hergestellt und dementsprechend primitiv. Alles in Mugu geschieht in Handarbeit, vom Bau der Häuser bis zur Herstellung aller möglicher Waren, in der Landwirtschaft, für den Transport von Lasten, denn es gibt (noch) keine Motoren oder Maschinen in den Bergdörfern.

Die Familien leben mit einer offenen Feuerstelle in ihrem Wohnraum, sie brauchen diese als Wärme- und karge Lichtquelle sowie zum Kochen. Ein mühsames Dasein, da die Frauen und Kinder stundenlang Holz schlagen und nach Hause tragen müssen, jeden Tag. Nachts schläft die gesamte Familie um den bereits verglühten Feuerplatz herum auf dem Boden. Meist ist der Raum das einzige Zimmer und direkt auf den Viehstall gebaut. Das flache Dach wird landwirtschaftlich genutzt und dient als Arbeits- und Lagerfläche.

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