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25.11.2016

Land unter – Nothilfe für die Nomaden der Armut

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Schon seit vielen Jahren unterstützt Back to Life die bedürftigen Bewohner des Slums „Samne Ghat“ im Süden von Benares, am Ufer der Ganga. Zwar gehört dieses nicht direkt zu unseren Projektgebieten, aber immer, wenn die Not besonders groß wurde, waren wir zur Stelle. Die insgesamt 220 Bewohner, davon alleine 120 Kinder, brauchen ständig medizinische und soziale Unterstützung. Deshalb führen wir immer wieder Health Camps durch und verteilen regelmäßig Plastikplanen gegen die schweren Regenfälle des Monsuns oder Decken für den Winter. 

Das größte Problem des Slums ist schon lange, dass die Bewohner – da ihnen die Grundstücke nicht gehören – immer wieder zwangsumgesiedelt werden. Mal passt reicheren Nachbarn der Anblick der Armut und Not nicht, mal wird das Grundstück einfach für das nächste Bauprojekt benötigt. Sie sind Nomaden der Armut. Seit Beginn diesen Jahres siedeln die Menschen in ihren notdürftigen Zelten und Behausungen an der Auffahrt zur im Bau befindlichen neuen Brücke zwischen Benares und Ramnagar und der angrenzenden Hauptstraße. 

Doch der Monsun kannte kein Erbarmen: Ganga schwoll immer bedrohlicher an und überflutete letztlich die Ufer. Samne Ghat drohte förmlich vom schlammigen Braun des Flusses hinweggespült zu werden. Die private indische Hilfsorganisation, die sich zwei Jahre lang verstärkt um die Betreuung und Versorgung des Slums gekümmert hatte, stellte ihren Betrieb überraschenderweise dieses Jahr einfach ein. Von dieser Seite konnten die Bewohner keine Unterstützung mehr erwarten. Mit dem Anstieg der Fluten mehrten sich deshalb die Hilferufe der Bewohner, so dass wir unverzüglich reagierten. 

Kurz bevor alles völlig überflutet wurde, erstellte unser Team einen Notfallplan und half, die Bewohner zu evakuieren. In Absprache mit der Stadtverwaltung wurden diese kurzfristig auf die verschiedenen Zufluchtsorte Sankat Mochan, Durga Kund und die Post Office Area in der Innenstadt von Benares verteilt. Für die nächsten 12 Tage versorgten wir außerdem die Bewohner mit mehr als 1.200 Essensrationen, denn sie konnten sich nicht mehr selbst ernähren. Da die Menschen ihre ganze Kraft und Zeit für den Kampf gegen das Wasser aufwenden mussten, blieb ihnen keinerlei Möglichkeit mehr, die dringend benötigten Almosen für Lebensmittel zu erbetteln. Jede Familie erhielt deshalb von uns ausreichend Reis, Dhal-Linsen und Früchte. 

Mit der Überflutung der Kanalisation stand das Dreckwasser aber überall in den Straßen und es trat zu unserem Horror genau das ein, wogegen wir kaum etwas ausrichten können: Die Ausbreitung von Infektionskrankheiten, die letztlich immer wieder die Jüngsten besonders hart trifft. Und so kam für drei Kinder jede Hilfe zu spät: Sie starben an den Folgen des Dengue-Fiebers, der Malaria und am Durchfall. Weitere erkrankte Kinder brachten wir sofort in Krankenhäuser, um sie zu behandeln und konnten sie dadurch retten. 

Auch Dasaswamedh Ghat, wo viele „unserer“ Unberührbaren betteln, sowie unser Daycare Center standen unter Wasser. Doch die Bettler waren glücklicherweise in ihre Dörfer zurückgekehrt und blieben so von den Folgen verschont. Der Unterricht in unserem Daycare Center fiel für einige Tage aus, bis das Wasser zurückwich. 

Nach zwei Wochen schließlich konnten die Bewohner endlich wieder auf das Gelände ihres Slums zurückkehren und ihre Behausungen neu errichten. Als weitere Versorgung organisierten wir ein großes Health Camp, um den vielen Erkrankungen entgegenzuwirken: Fieber, Haut-, Augen- und Ohreninfektionen, Magenprobleme, Durchfall sowie die besagten Vorfälle von Dengue-Fieber und Malaria. Vier weitere kleinere Health Camps zur kontinuierlichen Versorgung der Kranken folgten. 

Mittlerweile hat sich wieder so etwas wie „Normalität“ eingestellt – den Menschen bleibt auch gar nichts anderes übrig. Doch eines ist schon jetzt klar: Der nächste Monsun wird kommen und solange keine langfristige Lösung für den Verbleib der Bedürftigen gefunden wird, werden sich die Tragödien am Ufer der Ganga wiederholen.

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