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05.08.2018

Aufwachsen ohne Eltern – wir helfen Bibek. (Bericht von Stella)

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Der kleine sechsjährige Bibek fiel mir sofort auf, als ich kürzlich unsere Programme und Schulen in Nuwakot besuchte. Nicht, weil er lautstark beim gemeinsamen Sport und Spiel herumtobte, sondern aufgrund seiner Schüchternheit und weil er mir quasi den ganzen Tag am Rockzipfel hing, mir überall hin folgte. Ich bemerkte eine tiefe Traurigkeit in seinem Blick, der oft ins Leere ging. Von seinem Lehrer erfuhr ich dann auf Nachfrage den Grund dafür: Seine Eltern leben zwar noch, dennoch gilt Bibek als "soziales Waisenkind", da er ohne Mutter und Vater aufwachsen muss und den Grund dafür noch nicht verstehen kann.

Sein 30-jähriger Vater ist starker Alkoholiker – sämtliche Einnahmen seiner Tagelöhnerarbeit investierte er stets direkt in seine Trinksucht und die Familie lebte dadurch in großer Armut. Wenn er dann abends schwer betrunken nach Hause kam, verprügelte er auch noch seine Frau. Eines Tages hielt diese das nicht mehr aus und rannte davon, um danach niemals wieder zurückzukommen. Das hat den damals vierjährigen Bibek schwer traumatisiert.  

Von dem Augenblick an, als seine Frau über alle Berge war, überließ auch der Vater den Sohn seinem Schicksal und kam einfach nicht mehr nachhause – Bibeks Großeltern blieb also nichts anderes übrig, als den einsamen Jungen aufzunehmen. 
Diese opfern sich nun auf, den Jungen großzuziehen. Doch das fällt ihnen zunehmend schwerer, altersbedingt können sie kaum genug verdienen, um sich und den Jungen ausreichend zu ernähren. Die Großmutter Sita berichtet uns, dass sie Holz sammele, um es zu verkaufen, außerdem besitzen sie ein paar Ziegen – doch damit kommen sie eher schlecht als recht über die Runden. Die Großmutter beklagt außerdem, dass Bibeks Mutter sich nie nach ihrem Sohn erkundigt hätte. Sie lebe in einem anderen Dorf und habe eine neue Familie gegründet.

Damit Bibek hoffentlich einmal der Armut entkommen kann, schickt ihn die lebenstüchtige Großmutter jeden Tag zur Schule, auch wenn der Weg für den kleinen Bub weit ist. Bibek läuft jeden Tag eine Stunde lang den steilen Weg vom Dorf Charghare alleine zur Sansari Devi Schule. Keiner seiner Mitschüler kommt aus Charghare – somit gibt es niemanden, der den Erstklässler begleiten könnte. Das hat mich besonders berührt, dass sie trotz der schweren Umstände an die Zukunft des Enkels denken und ihn nicht einfach zur Kinderarbeit verpflichten, wie es so viele tun würden – gerade innerhalb der armen Tamang-Kaste. Die Schule macht Bibek Spaß und das Zusammensein mit Gleichaltrigen lenkt ihn gewiss von der Trauer über den Verlust der Eltern ab. 

Back to Life wird sich jetzt der Zukunft des Jungen annehmen und ihn unterstützen. Mit einer neuen Schuluniform, Tasche und Lernmaterial geht es los: Wenn Bibek im Gegensatz zu seinen Mitschülern schon kein reguläres Familienleben hat, so soll er sich zumindest nicht äußerlich von seinen Mitschülern unterscheiden müssen.

Namaste und bis bald, 

Ihre Tara-Stella

 

Bilder (c) 2018 BTL

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